FILMKRITIKEN
von Leo Hiemer

gesehen:

Corona Kaufbeuren
24.5.12

DER DIKTATOR

Ein Mann mit angeklebtem Bart und in vollem ordenklimperndem Ornat wird uns als Diktator des fiktiven Öl- und Schurkenstaates Wadija verkauft. Er bereitet sich auf eine Rede vor den Vereinten Nationen vor, wo er das „friedliche“ Nuklearprogramm seines Landes verteidigen will. In New York verliebt sich der grausame und widerwärtige Diktator ausgerechnet in eine geifernde, linksradikale, lesbische Öko-Feministin, die sich nichts anderes als den Sturz des verhassten Tyrannen und die Befreiung des unterdrückten Volkes von Wadija auf die Fahnen geschrieben hat. Eine tolle Geschichte! Doch der Film signalisiert uns jede Sekunde, dass wir die wadijischen Demokratiebemühungen wie die große Liebe des Diktators und die Ränkespiele der Corona, die kräftig an seinem Thron sägt, nicht ganz ernst nehmen sollen: Sascha Baron Cohen, der sich hier zum modernen Klein-Nero eines ölreichen Zwerg-Schurkenstaates stilisert, ist grimmig entschlossen, den Westen in den Arsch zu treten.

Wie ein wild gewordener Thilo Sarazin wirbelt Cohen durch den Film: die politisch-moralische Tabuverletzung ist dabei Programm. Sexismus, Rassismus, Menschenverachtung, Größenwahn und Überheblichkeit zeichnen den beileibe nicht „großen“ sondern bloß unsagbar dämlichen Diktator aus. Zugleich gibt ihm seine offensichtliche Dummheit und Harmlosigkeit und das Fehlen jeglicher Grausamkeiten etwas Putziges. Im Film bleibt es bei dummdreisten Sprüchen - die am laufenden Meter per Halsabschneidergeste gefällten Todesurteile werden jedenfalls niemals ausgeführt, ja von seiner Corona sogar planmäßig unterlaufen. Cohen bringt alles auf die Leinwand, was im normalen Leben als politisch völlig inkorrekt mindestens peinlich berühren würde. Der „Diktator“ funktioniert ähnlich wie Kabarett und Comedy als Ventil: Lachen über abgrund-blöde Blondinenwitze, miese Sprüche über Neger und Asiaten, hirnloses Geschwätz über Linke, Demokraten, Juden, Behinderte, die Weiber im Allgemeinen usw. ist hier erlaubt.

Dabei überschreitet der Film plan- und regelmäßig die Grenzen des guten Geschmacks. Etwa als sich der tolpatschige Diktator bei einer Sturzgeburt ungefragt als Geburtshelfer in Szene setzt und sich die werdende Mutter empört, dass er „im falschen Loch“ hantiere, und dem Diktator geraten wird, „es eine Etage höher“ zu versuchen. Als des Diktators feministische Buhlschaft eingreift, kommen sich ihre Hände unsäglicherweise in der Vagina der Gebärenden näher. Am Ende verhilft der Diktator einem Mädchen auf die Welt und fragt bitter enttäuscht: „Wo ist der nächste Mülleimer?“ Cohen lässt die Sau raus...

Der „Diktator“ mag von Woody Allens Frühwerk „Bananas“ inspiriert sein, in dem ein tolpatschiger New Yorker Intellektueller auf dem fiktiven San Marcos zum Revolutionsführer wider Willen mutiert und in Amerika als Kommunist im Knast landet. Anders als Allens Revoluzzer guckt Cohens Diktator nicht dumm aus der Wäsche und philosophiert, sondern schwätzt einfach dumm raus, etwa wenn er dem Westen in einer gnadenlos satirischen Abrechnung die Vorzüge einer Diktatur anpreist. Da kommt eine ganz schöne Latte von unschönen aber keineswegs fiktiven Dingen vom Waterboarding bis zur schamlosen Bereicherung von 1 % der Bevölkerung zusammen, die in den ganz und gar anti-diktatorischen, un-schurkischen und mega-demokratischen Vereinigten Staaten durchaus an der Tagesordnung sind. Die Senatoren und Honoratioren, denen diese Litanei vorgebetet wird, machen denn auch reichlich belämmerte Gesichter – und wir dürfen uns ob der rethorischen Spitzfindigkeit vor Vergnügen auf die Schenkel klopfen.

Als ihm seine Geliebte, die der zum Demokraten bekehrte Diktator am Ende zur Frau nimmt , gesteht, dass sie schwanger ist, fragt er sie: „Wird es ein Junge – oder wird es eine Abtreibung?“ Es darf gelacht werden, denn dem bösen Blöden ist längst der Zahn gezogen, hat er doch über 1 1/2 Stunden bewiesen, dass er total harmlos und im Grunde ein liebenswerter Mensch ist. Wären die Diktatoren in Wirklichkeit nur auch so schön blöd.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
14.2.12

ZETTL

Vor Kurzem habe ich das Schlagwort von der „Karnevalisierung“ der Kultur aufgeschnappt. Es gibt kaum ein treffenderes Beispiel für diese Tendenz als „Zettl“.

Nichts als eine lange Büttenrede, noch dazu mit Längen, wird uns da präsentiert. Und nichts stimmt an der Geschichte von dem Fahrer, der da an die Spitze eines Hauptstadt-Magazins katapultiert wird. Nichts überzeugt, nichts ist witzig, nichts ist getroffen. Ein kapitaler Fehlschuss auf die Haute Volée von Absurdistan.

Wen sollte es denn schon jucken, wenn der Regierende von Berlin sich per OP zu einer Frau umstricken lässt? Ich erinnere mich an einen Artikel für unsere Schülerzeitung „Urinator Triumphans“(!), in dem ich in einer Persiflage auf Sensationsreportagen die Schlagzeile unterbrachte: „Der Papst ist eine Frau!“ Das rief damals immerhin buchstäblich die Schere auf den Plan: ich musste meinen Artikel eigenhändig aus jedem Exemplar entfernen. Die Schnipsel kursierten dann aber komischerweise auf dem Pausenhof... Gut. Man schrieb das Jahr 1969 und ich war 15. Ein weiblicher Papst („Die Päpstin“!) war noch ein Tabu, aber der Regierende...? Dass er (der Echte) schwul ist, weiß alle Welt. Er könnte auch transsexuell sein... Quim juckat? Skrupellos sind „die da oben“ eh allemal. Also: warum nicht der Griff zum Skalpell, wenn's opportun ist?

Wie charmant und amüsant war Dietls Kritik an der „Bussi-Schickeria“ noch in „Kir Royal“! Zum Glück er hat noch ein paar Fossile aus längst vergangener Zeit in seinen „Zettl“-Aufguss herüber gerettet, obwohl ihm Kroetz – offenbar völlig zurecht! - einen Korb gegeben hat. Da ist v.a. Dieter Hildebrandt. Ein Fotoreporter im Rollstuhl, eine tragische Figur, skurril und liebenswert zugleich. Natürlich geht das nicht: ein Fotograf im Rollstuhl, natürlich geht das nicht: ein Tattergreis von über 80 inmitten des Jugendwahns, natürlich geht das nicht: echte Gefühle im emotionalen Hauen und Stechen und körperlichen Gieren und Kriegen der vermeintlichen Eliten. Aber das wäre eine Hauptfigur gewesen! Gegen den Foto-Fuzzi blasst der alberne Fahrer, Bully Herbig, der an nichts glaubt und nichts weiß, außer wie er die nächsten Klippe umschifft, ziemlich ab.

Und noch einer hat mich umgehauen: wie ein total fertiger, ausgebrannter Bundeskanzler aussieht, wie er keuchend und quietschend neben der eigenen Lebens- und Leistungsspur daher eiert, das zeigt uns „Schimanski“. Götz Georges Auftritte gehen unter die Haut, weil sie das Ende der ganzen Geschichte zeigen: die Gehirnströme versiegen, die Versteinerung der Macht. Dass er drei Tage auf Eis gelegt wird, weil der Todeszeitpunkt seinen politischen „Freunden“ ungelegen kommt, ist dagegen Schabernack. Man erkennt die Absicht, es im Film noch doller zu treiben als die in der Wirklichkeit, denen man eh schon nahezu alles zutraut, und ist betreten.

Zwei andere Dinos sorgen für den emotionalen Höhepunkt des Films: Hildebrandt macht der frisch verwitweten Senta Berger im First-Class-Restaurant unvermutet eine Liebeserklärung. „Vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren war ich verliebt in dich.“ Hundeblick. Ich glaube ihm jedes Wort. Als Senta für sich und „ihren Mann“ bestellt, hüpft Hildebrandt vor Glück in seinem Rolli – und ich freue mich mit ihm. Kino heißt Gefühle teilen. Leider wird die Geschichte nicht weiter gesponnen. Stattdessen werden wir wieder mit den unwahrscheinlichsten Kapriolen gelangweilt. Konfetti für alle! Gähn.

Der Film fällt regelrecht auseinander zwischen den jungen stromlinienförmigen Schauspielern und den eckigen und kantigen Alt-Mimen. Das waren halt noch ganz andere Kaliber! So weckt der Film eher Nostalgie, Sehnsucht nach einer Zeit, wo es noch um mehr ging als um Mobbing und Ranking, nach einer Zeit, wo Franz Josef Strauß noch das Sagen hatte – und Widerspruch fand – und, wo es noch Serien gab wie „Kir Royal“.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
1.2.12

 

MEIN LIEBSTER FEIND

Es gibt Filme, deren durchaus raffinierter Handlung folgt man amüsiert, interessiert aber irgendwie auch unbeteiligt. „Mein liebster Feind“ ist so ein Film.

Da wird ein Mordszirkus um eine Original-Zeichnung von Michelangelo veranstaltet, die sich 1938 kurz vor der Heimkehr Österreichs in das Deutsche Reich wie auch immer ausgerechnet im Besitz einer jüdischen Wiener Kunstgalerie anfindet. Natürlich wollen sich die Nazis die Zeichnung unter den Nagel reißen. Schlau wie die Juden nun mal sind, lässt der Galerist zwei (!) Kopien anfertigen und schiebt den Nazis, doof, wie sie nun mal sind, eine Kopie unter. Das Original versteckt er inceinem Porträt von ihm – das kriegt auch der dümmste Zuschauer rasch mit, was die Spannung incdiesem Teil der Geschichte sofort auf Null sinken lässt.

Aber was ist mit dem Schicksal der Juden? Obwohl die SS den Michelangelo hat, stecken sie diecganze Familie ins Lager – und lassen sie nicht, böse wie sie nun mal sind, in die freie Schweizcausreisen, wie sie versprochen haben. Lagerszenen werden uns zum Glück erspart, dafür werden werden uns in Berlin großkotzige (wie sie nun mal sind) Nazis Größe M bis L präsentiert, die den Besuch des Duce beim Führer vorbereiten, bei welcher Gelegenheit der Michelangelo dem Duce verehrt werden soll, um die Waffenbrüderschaft zu stärken. Doch ein italienischer Kunstkenner enttarnt die Fälschung und löst damit ein diplomatisches Erdbeben und eine Klamottenklamotte im Film aus.

Der alte Kunsthändler ist im Lager umgekommen (was uns herzlich egal ist, da die Figur jetzt ohnehin nur stören würde); sein Sohn soll den Nazis nun den echten Michelangelo aushändigen. Er wird aus dem Lager geholt und von einem SS-ler, einem Emporkömmling, einst sein Freund und Spielkamerad, jetzt der Nutznießer seiner Verfolgung, mit dem Flugzeug nach Berlin zur Vernehmung gebracht. Doch Partisanen schießen das Flugzeug ab, beide überleben mit einigen Blessuren, und der junge Jude – wie man weiß nicht dumm – tauscht kurzerhand die Häftlingskluft gegen die schmucke schwarze Totenkopftracht. Das Spiel zieht er in Berlin trotz mancher Zwischenfälle durch. Er schafft es sogar, dass seine Mutter in die Schweiz gebracht wird, denn um an den echten Michelangelo zu kommen, müssten er und seine Mutter dort anwesend sein. Das habe er aus dem Juden herausgepresst. Doch irgendwann fliegt er doch auf. Die Nazis haben den Schweizer Trick längst durchschaut – ganz doof, das weiß man ja, sind sie auch nicht - und durchsuchen die ehemalige Villa des Kunsthändlers. Tatsächlich finden sie den Michelangelo. Doch auch dieser – wie der bereits eingeführte Kunstexperte aus Italien feststellt – ist eine Kopie. - Was uns wenig überrascht, wenn wir nicht vergessen haben, dass es anfangs drei Michelangeli, also zwei Fälschungen, gab. Macht aber nix mehr, denn der Duce wurde eh grade verhaftet. Die Amis sind da und unser junger Jude, dem mittlerweile auch klar ist, dass der wirklich echte, ganz echte Michelangelo im Porträt des Vaters stecken muss, lässt sich natürlich ausgerechnet mit diesem Bild aus der von seinem Ex-Freund von der SS arisierten Galerie beschenken. Dem fällt die Klappe runter, als die jüdische Mischpoke – der junge Jude, seine Mutter, die in der Schweiz überlebt hat, und seine ehemalige arische Verlobte – mit dem echtesten aller echten Michelangelos unterm Arm von dannen zieht.

Nett aber oberflächlich. Der Film vermag nicht zu packen. Außer einem raffiniert ausgedachten Plot, in dem die Verwechslungen und Fälschungen, der Kostümtausch und die Maske dominieren, hat der Film nicht allzuviel zu erzählen. Man spürt die Absicht, dem Welterfolg des Films „Die Fälscher“ von Rudowitzky nachzueifern. Aber da hapert es vorne und hinten. Alles wirkt irgendwie hingeschminkt. Ein Film des Genres Nazi-Klamotte. Das muss man mögen.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
25.1.12

 

DIE VERLORENE ZEIT

„Verlorene Zeit“ waren die eineinhalb Stunden im Kino nicht, allerdings wäre der englische Titel „Remembrance“ - Erinnerung – der Geschichte wesentlich besser gerecht geworden.

Der Film spielt auf zwei Zeitebenen: einmal in den 60ern in New York, einmal gegen Ende der Nazidiktatur in Polen. Wie kommen die Ebenen zusammen? Durch eine unvermittelt auftauchende Erinnerung: eine gutsituierte Dame sieht zufällig ein Interview mit einem ehemaligen polnischen Untergrundkämpfer im Fernsehen. Im KZ habe er sich unsterblich in eine Jüdin verliebt, erzählt er, doch die sei ums Leben gekommen. Wir ahnen es gleich: sie ist nicht tot, sie steht wie vom Donnerschlag gerührt vor griseligen TV-Bildern in Schwarz-Weiß. Wie in Trance geht sie durch ihren Alltag. Aber was ist mit ihrem totgeglaubten Liebhaber von einst ist? Sie beginnt nachzuforschen. Vorhersehbar das Ergebnis der Recherche: er lebt! Vorhersehbar ihre Reise auf eigene Faust nach Polen. Vorhersehbar die erste Begegnung auf einem Omnibusparkplatz irgendwo in einer polnischen Kleinstadt. Dann bricht der Film ab. Die Frage, wie kann man eine vierzig Jahre unterbrochene Liebe weiter leben, kann man nach vierzig Jahren weiter lieben, bleibt offen, eine Frage, die die Rahmengeschichte der alternden Lady, die unvermittelt zu der Liebe ihres Lebens, zurück katapultiert wird, enorm vertieft hätte. So bleibt sie die Geschichte einer Frau, die erfährt, dass ihr Lover von einst noch lebt und ihn besuchen fährt. Natürlich verstehen wir ihre Betroffenheit, berührt uns ihre Verwandlung, aber der ganze Schmerz über die „verlorene Zeit“ oder besser die „verlorene Liebe“, das, was die Welt den Liebenden angetan hat mit ihrer Brutalität und Kälte, darf nicht als Wut, Zorn oder Irrsinn über uns herein brechen.

Denn die andere Ebene, das Lager mit der aufs Äußerte gefährdeten Liebe zwischen den beiden, die Flucht und der Unterschlupf bei der Familie des Polen, stets in Lebensgefahr, bis zur Trennung des Paares und bis beide glauben müssen, der andere sei tot, ist spannend von Anfang bis Ende – ein Holocaust-Drama, und als solches stets in Gefahr zum Genre-Kitsch zu mutieren. Wir kennen die Bestandteile - herzlose Schergen, gepeinigte Häftlinge, todesmutige Widerständler – und fragen uns stets: ist das glaubwürdig? Da stören uns die nicht allzu ausgemergelten Körper beim Liebesakt, die allzu flotte Fönfrisur der Geliebten, das Händchenhalten auf der Flucht durch den Wald. Aber wo bleibt das Gefühl, das „echte“, das wir im Kino so lieben?

Der emotionale Höhepunkt des Films liegt denn auch woanders. Das blanke Entsetzen packt die Mutter, als ihr Sohn, der stramme Widerstandskämpfer, ihr eine Deutsche und Jüdin als seine Verlobte vorstellt. Sie fordert von ihrem Sohn, sie unter allen Umständen loszuwerden, weil sie eine Gefahr für sie alle darstelle. Der widersetzt sich – ist ja schwer verliebt - muss dann im Dienste des Widerstands nach Warschau und sein Mädchen der Mutter anvertrauen. Spannendste Szene des Films: das Mädchen liegt schwerkrank hinter einem Vorhang in der Küche auf einem Sofa. Ein deutscher SS-ler taucht auf. Die Mutter lädt ihn auf eine Tasse Kaffee ein. Unter einem Vorwand verlässt sie den Raum. Der SS-ler sieht sich um, schöpft Verdacht, reißt den Vorhang zur Seite. Nichts. Aber da ist ein Schrank. Er geht langsam auf ihn zu. Wir sehen: sie kauert darin. Da kommt die Mutter zurück und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Toll: keine Spannungsmusik, nur Geräusche und ein paar belanglose Sätze. Und dennoch steht alles auf dem Spiel. Das nennt man Suspense! - Aber wir wissen ja: es geht alles gut aus! Das ist das Problem mit den zwei Zeitebenen: sie ergänzen sich nicht nur, sondern stehen sich manchmal auch im Weg.

Die Komplexität der Geschichte auf zwei Ebenen und deren ganz unterschiedliche Filmsprache, rückt die Frage nach dem Helden der Geschichte in den Mittelpunkt. Erst ist es die alternde Lady, die uns mit blitzlichthaften Rückblenden und ihrem aufgewühlten Innenleben packt, dann ist es der junge Pole, ein Held und Lover unter schwierigsten Umständen, dann wird es seine Mutter, deren Schicksal uns nahe geht. Dennoch ein sehenswerter, in einigen Szenen sehr intensiver Film.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
13.1.12

 

VERBLENDUNG

Der Vorspann hat mich umgehauen. Was kommt da für ein wahnsinniger Film? Ich kann gar nicht sagen, was sich da an menschlichem Getier ständig gehäutet und verändert, gedreht und vergrößert hat. Die hochwertige Aufmachung erinnerte an James Bond. Und da ist er auch schon, der Daniel Craig, diesmal kein Geheimagent, sondern ein toller Journalist in Stockholm auf dem Tiefpunkt seiner Karriere: er hat gerade einen Verleumdungsprozess gegen einen Wirtschaftsboss verloren. Das bekommt er ein tolles Angebot von einem alten Industriemagnaten, der mit dem besagten Boss noch eine Rechnung offen hat. Der Journalist soll das Rätsel seines Lebens aufklären: vor vierzig Jahren verschwand über Nacht seine Tochter und ist nie wieder aufgetaucht. Irgendwo in Nordschweden, auf einer eigenen Insel, sitzt der Familienclan und beäugt sich misstrauisch.

Nie könnte er das Geheimnis lüften, wäre da nicht seine Super-Assistentin, eine Punkerin, die von Sozialhilfe lebt und unter Vormundschaft des Staates steht seit sie mit 12 ihren Vater umgebracht hat. Blitzgescheit und stets zum Äußersten bereit. Ihr neuer Bewährungshelfer zwingt sie erst zum Oral-, dann zum Analverkehr, wofür sie sich bitter rächt: sie schiebt ihm einem Dildo rein und tätowiert ihm den Satz „Ich bin ein Vergewaltiger“ auf die Brust. Seine Schweinereien hat sie heimlich gefilmt. Mit der Drohung, das Dokument zu veröffentlichen, erpresst sie ihn nun um Geld und beste Expertisen. Nebenbei hackt sie sich nach Belieben in fremde Computer und saust in nachtschwarzem Leder-Outfit auf ihrem Motorrad durch das winterliche Schweden.

Gegen diesen Sozial-Krimi fallen Craigs Recherche-Bemühungen in staubigen Akten, mit an die Wand gepinnten Fotos und Gesprächen mit alten Polizisten merklich ab und bekommt erst Fahrt, als die Punkerin zu ihm stößt. Die sichtet das Material in einem Affenzahn und findet den Schurken, auf den gleichzeitig auch unser Zeitungsschreiber gestoßen ist. Er gehört auch zum Clan und haust in einer topmodernen Villa auf der Insel. Das Ganze geht auf die schwedischen Nazis zurück, wird uns erzählt, und auf eine schreckliche Ritualmordserie an allem Weiblichen, was die ablehnten. Ideologisch stützten sie sich auf krude Bibelstellen aus dem Alten Testament, in denen die absonderlichsten Todesrituale für sexuelle Abartigkeiten vorgeschrieben sind. Sehr unappetitlich! Auch das Verschwinden des jungen Mädchens hängt damit zusammen. Der Zeitungsmann will den Schurken in seiner Villa stellen und gerät in seine Fänge. Der will ihn nun schlachten wie die vielen Frauen und Mädchen vor ihm, wird aber in buchstäblich letzter Sekunde von der Punkerin niedergestreckt, kann mit seinem Wagen fliehen, verfolgt von der Motorrad-Queen, verunglückt und verbrennt kläglich in seiner Kiste. Der Film könnte hier enden. Jetzt wird das verschwundene Mädchen gefunden, das vierzig Jahre unter falscher Identität in Paris lebte.
Familienzusammenführung: Clanchef und Tochter sinken sich schluchzend in die Arme. Ich denke an Bergmann – Ingmar! Journalist und Punkerin schleichen sich. Kuss und Schluss?

Nein! Es muss ja noch die dämliche Geschichte um den Wirtschaftsverbrecher vom Anfang erledigt werden. Die Punkerin legt ihm mit 50.000 geliehenen Dollars, ein paar schicken Kleidern und blonder Perücke – natürlich mühelos – das Handwerk. Leider gibt es in diesem Nachklapp weder Spannung noch Witz und aus dem Happy-End wird auch nichts, weil unsere Punkerin, die längst unser Liebling geworden ist, am Ende von Craig doch enttäuscht wird. Er turtelt lieber weiter mit seiner verheirateten Chefin als sich auf die Outsiderin einzulassen. Sein Weihnachtsgeschenk, eine teure Lederjacke, schmeißt sie in den Müll und braust auf ihrem Zweirad davon.

Die mit großem Bromborium eingefädelte Geschichte wird klar und mit Tempo auf die Bahn

gebracht, die Hauptfiguren eindrücklich vorgestellt. Doch die Recherche nimmt Tempo raus und die „Erklärungen“ gehen auf Kosten der Spannung. Am Ende muss noch ein Wirtschaftsverbrecher im Eiltempo überführt werden. Emotional ist nix mehr los. So wurde doch bloß die enorm aufgeblasene Version eines schwedischen Fernsehkrimis draus. Schade.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
11.1.12

 

DER GROSSE CRAH - MARGIN CALL

Grade habe ich den englischen Titel „Margin Call“ nachgeschlagen – und nicht verstanden. Tut mir leid, ich kapiers nicht! Ist irgendwas mit Finanzpapieren und drohender Pleite. Kleiner Trost: die diversen Alpha- und Beta-Tiere des Finanzriesen, in dessen New Yorker Wolkenratzer der Film spielt, haben auch nicht mehr Durchblick als ich. Blutjunge Finanztechniker setzen ihnen zwar haarklein auseinander, warum „der große Crash“ droht, aber Sie kapierens ebenso wenig wie ich. Dafür behaupten sie, in die Zukunft sehen zu können... Es riecht nach Lehman-Brothers.

Der Film spielt fast ausschließlich in einem Wolkenkratzer und umfasst zeitlich etwa 24 Stunden. Das ganze Desaster beginnt mit umfangreichen Entlassungen in der Abteilung Risikomanagment. Aus heiterem Himmel wird der Abteilungsleiter gefeuert. Gerade noch kann er einem jungen, aufstrebenden Mitarbeiter mit gewichtiger Miene seinen USB-Stick zustecken. Nach Feierabend sieht der sich die Sache mal genauer an und rechnet die Arbeit seines Chefs zu Ende – übrigens mit Zettel und Stift - und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: die Finanz-Gleichung, auf der das ganze Geschäftsmodell der Firma beruht, stimmt nicht. Alarm! Alarm! Alarm! Zu nachtschlafener Zeit wird der gesamte Vorstand zur Krisensitzung zusammengetrommelt. Der Chef persönlich fliegt ein. Dramatisch, dramatisch. Was ist zu tun? Nach einigem Hin und Her entschließt sich der Chef dazu, am nächsten Tag sämtliche Papiere loszuschlagen – weit unter Wert natürlich – was für erheblichen Wirbel an der Wallstreet sorgen dürfte – den großen Crash eben. - Das war's auch schon. - Das Alles ließ mich kalt.

Gespenstisch das nächtlich verlassene Großraumbüro der Broker, in dem alle Computer weiterlaufen und alle Bildschirme weiter vor sich hin flimmern – aus optischen Gründen? Wundervoll unamerikanisch eine Kamerafahrt durch das ausgestorbene Büro zu Chopin(?)-Klavierklängen, die auf einem angeschlagenen Broker endet, der buchstäblich vom Hocker fällt. Doch der Film bleibt unentschlossen wie der Typ, der zwar auf die Plattform des Wolkenkratzers steigt, sich auf die Reeling hockt und einen Grusel-Blick in den Abgrund wirft – aber dann doch wieder in die Normalität des finanztechnischen Ausnahmezustands zurück klettert.

Neben den unverständlichen bzw. unverstehbaren Finanzproblemen der Firma entwickelt sich kaum Mitgefühl für die Protagonisten. Das sind – was ich vorher schon gewusst habe - einfach zu miese Typen. Der Junge, der das Ganze ins Rollen bringt, hätte durchaus das Zeug zu einem tragischen und komischen Helden à la Billy Wilder – aber seine Geschichte wird verschenkt. Nach seinem großen Auftritt in der Vorstandssitzung, wo er dem Big Boss die Fehler im Kleinen Einmaleins des Risikomanagments seiner Firma beibiegen muss, hat er schlicht nichts mehr zu tun. Die Geschichte des Films verläppert sich dafür in allerlei dünne Nebenstränge. Der Film widmet sich den „Dramen“ der ach so „armen“ Vorstände, die z.T. schon lange Skrupel mit sich herumgetragen und erfolgreich verdrängt haben. Die Millionen, die sie eingestrichen haben, sind u.a. für „Nutten und Alkohol“ draufgegangen. Mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen. Am berührendsten noch die Geschichte eines Vorstandes, der seinen geliebten Hund einschläfern lassen muss und im Vorgarten seiner Exfrau vergräbt. Wir wissen jetzt zwar, wo dieser Hund begraben liegt – wo der Hund bei den Finanzgeschäften begraben liegt, weiß ich aber nach wie vor nicht.

Wehmütig denke ich an Rolf Silbers vergnügliche, im Frankfurter Finanzviertel angesiedelte Fernsehkomödie mit dem allerdings dämlichen Titel „Männer ticken, Frauen anders“. Dabei nimmt er Geschlechter- wie Chefrollen auf die Schippe und hat manch überraschende Wende parat.

Ganz anders „der große Crash“: unser Held macht den ganzen Film über ein besorgtes Gesicht und er ist wahrlich nicht der Einzige, der mit Sorgenfalten auf der Stirn herumläuft. Doch „der große Crash“ bleibt aus. Ein Reinfall.

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
4.1.12

MIDNIGHT IN PARIS

Woody Allen amüsiert sich und seine (gebildeten) Zuschauer über Leute, die andere noch nicht mal dem Namen nach kennen. Musste sich Woody in „Mach's nochmal, Sam!“ ständig Rat in Liebesdingen von einem trenchcoat- und schlapphuttragenden Casablanca-Humphrey Bogart anhören, so stößt er hier Jahrzehnte später gleich auf ein ganzes Rudel prominenter Dichter und Denker. Dass der Film dennoch keine peinliche Verklärung von Paris, der Kunst und der Liebe ist, liegt an Allens selbstironischem Humor, die Schwärmerei bricht sich unentwegt an der Profanität des Alltags.

Ein erfolgreicher, wenn auch etwas unbeholfener Hollywood-Drehbuchautor, ein 30 Jahre jüngeres Alter Ego von Allen, besucht Paris. Begleitet wird er von seiner Verlobten und deren ebenso stinkreichen wie erzkonservativen Eltern, Amerikanern wie aus dem Bilderbuch, blasiert und oberflächlich, nicht imstande sich für irgendetwas wirklich zu interessieren. Unser Held dagegen hadert mit seiner Existenz als Lohnschreiber Hollywoods, will endlich mal etwas von Wert schaffen - große Kunst nämlich - und arbeitet an seinem ersten Roman.

Seine Verlobte trifft zufällig auf eine Freundin aus den Staaten und ihren superintellektuellen Partner. Fortan durchstreifen die beiden Pärchen gemeinsam Paris – allen voran der notorische Alleswisser, von dem sich die Verlobte unseres Autors schwer beeindruckt zeigt. Unser Held setzt sich bald ab und verläuft sich im Gewirr der Gassen. Doch pünktlich um Mitternacht wird er von einer feuchtfröhlichen Partygesellschaft aufgegabelt und in das Paris der 20er Jahre entführt, einer Epoche, die er als das „Goldene Zeitalter“ verklärt. Er wird zum staunenden Zeitreisenden und in der Künstlerszene herumgereicht. Hemmingway persönlich liest sein Manuskript und unser Held verliebt sich das bezaubernde Künstlergroupie Anastasia, die grade eine Affäre mit Picasso hat.

Doch unser Held muss stets wieder in den „amerikanischen“ Alltag mit seiner Verlobten zurückkehren, die sich von dem superschlauen Partner ihrer Freundin immer mehr umgarnen lässt. Unser Autor lebt nun in zwei Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten: eine heutige Welt, die permanent an seinem Selbstwertgefühl nagt, und eine glitzernde Traumwelt der romantischen Gefühle, Leidenschaft für eine schöne Frau und Begeisterung für die Kunst. Dank der Menge selbstironischer Miniaturen, die immer wieder aufleuchten, verkommt der Film dennoch nicht zur platten Schwärmerei und zum dämlichen Namedropping.

Als der Autor Bunuel, Dali und Man Ray gesteht, dass er aus dem Jahr 2010 kommt, wird ihm entgegnet, es sei doch nichts Ungewöhnliches, in zwei Welten zu leben. Darauf unser Held: „Sie sind Surrealisten, für mich ist das nicht so einfach.“ Und als er Bunuel eine Filmidee erzählt – nämlich den Plot von dessen berühmtem Film „Der Würgeengel“ - will der ihn einfach nicht begreifen. Der Filmtitel wird in diesem kurzen Dialog nicht mal genannt...

Die Zeitreisen in die 20er Jahre zahlen sich für unseren Autor aus: er bekommt entscheidende Tipps für seinen Roman und auch Anastasia kommt er immer näher. Doch es wird nichts aus den beiden, denn Anastasia idealisiert ihrerseits die „Belle Epoque“. Nach einer gemeinsamen Zeitreise in diese „gute alte Zeit“ beschließt sie dort zu bleiben. Unser Held muss sich nun allein seinem tristen Alltag stellen. Doch er landet einen Befreiungsschlag, indem er seiner Verlobten endlich den längst verdienten Laufpass gibt. Er wird nicht mehr nach Amerika zurückkehren.

Allen wendet sich an seine Gemeinde; Ehrgeiz, das ganz große Publikum zu erreichen oder gar die Welt zu verändern, geht ihm ab. Dafür hat die Schlusswendung, in der der Autor zarte Liebesbande zu einer echten Pariserin vom Trödel knüpft, und es zu regnen beginnt wie in der berühmten Rückblende in „Casablanca“, Charme. Fehlt bloß noch „Schau mir in die Augen, Kleines!“

 

gesehen:

Corona Kaufbeuren
1.1.12

In Time – Deine Zeit läuft ab

Der Plot klingt spannend: was wäre, wenn es in nicht allzu ferner Zukunft gelänge, den Prozess des Alterns mit Hilfe gentechnischer Veränderungen zu stoppen? Was wäre, wenn dann jeder über 26 seine weitere Lebenszeit ständig neu erkaufen müsste? Was wäre, wenn Geld durch Zeitguthaben ersetzt würde und dieses ebenso ungerecht verteilt wäre wie heute das Geld? Der Film zeigt es: Ist der Geldbeutel leer bzw. läuft die Uhr auf Null, kippt man einfach aus dem Leben in den Tod. Natürlich ist das Leben in dieser Gesellschaft ungerecht, die Welt in zynische Zeitzonen aufgeteilt: in den einen scheint die Zeit stillzustehen, da die Bewohner Lebenszeitguthaben von Jahrhunderten auf ihren animierten Leuchtziffer-Armbanduhren mit sich herumtragen, in den anderen geht es jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde ums Überleben. In dem Film erhält ein Bewohner dieser zeitlich minderbemittelten Zone durch ein überraschendes Zeitgeschenk die Möglichkeit, einen Blick in die Zone der Privilegierten zu werfen. In der Folge tritt er gegen die himmelsschreiende Ungerechtigkeit des Systems an und bringt es am Ende gar zum Einsturz. Dabei wird ausgerechnet das Töchterchen des mächtigsten Zeitmoguls zu seiner Verbündeten. Der Feind in Gestalt der Zeitpolizei und eines speziell auf unseren Helden angesetzten Oberfieslings ist rasch ausgemacht und der Kampf auf Leben und Tod kann beginnen.

Doch der lädt bald nur noch dazu ein, selbst auf die Uhr zu schauen... Wenig durchdacht die Geschichte, schablonenhaft die Charaktere, haarsträubend die Wendungen, billig die Aufmachung des Ganzen. Emotionen? Fehlanzeige! Kein Witz, keine Trauer, keine Wut, keine Angst, keine Freude, keine Leidenschaft ist zu spüren - nur zur Schau getragene Coolness. Das Zeitbanken ausraubende Pärchen, das sein Raubgut an die zeitlich Armen verteilt, ließ mich wehmütig an den Streifen „Bonnie and Clyde“ denken. Leider fehlt der augenzwinkernde Humor des alten Films hier völlig. Dafür sprintet das Mädel auf High-Heels, auf denen normale Menschen keine Treppe verletzungsfrei runter kommen, sinnfrei und ohne den geringsten Anflug von Selbstironie wiederholt im Höchsttempo über die Leinwand.

Der Film verschenkt sein Sujet auf der ganzen Linie durch Plattheiten und ermüdende Stereotypen. Anfangs wird dem Zuschauer mehrmals vorgeführt, dass das Zeitguthaben jedes Einzelnen auf den Unterarmen der Menschen abzulesen ist, dass sie durch Einlegen ihres Unterarmes in irgendwelche Lesegeräte bezahlen und dass durch Aneinanderpressen der Unterarmuhren Zeitguthaben direkt übertragen werden können. Dabei tickt die Lebensuhr unaufhaltsam im Count-Down-Modus rückwärts. Mehrmals werden uns Menschen mit abgelaufenem Zeitkonto präsentiert, mehrmals sehen wir, wie Menschen, deren Uhr auf Null gelaufen ist, buchstäblich tot umfallen. Wir haben verstanden! möchte man rufen. Durch den ganzen Film ziehen sich Blicke auf ablaufende Uhren, auf Uhren mit Guthaben im Sekunden- oder auch im Jahrhundertenbereich. Sehr bald nervt der ständige Blick auf die Uhr, erinnert an wortgleiche Wiederholungen von Moderationen in RTLDoku-Soaps. Wurde hier mit Rücksicht auf die weit unaufmerksameren Zuschauer bei Auswertungen außerhalb des Kinos bereits Redundanz eingebaut? Im Kino langweilt sie jedenfalls enorm.

Als der Zeitmogul dem Helden seine Frau, seine Tochter und seine Schwiegermutter vorstellt, stehen drei blendend aussehende 25Jährige nebeneinander. Doch diese originelle Idee weist zugleich auf das Handicap des Plots: es gibt keine Personen in dem Film, die äußerlich älter als 25 wären, denn da wird das Altern ja angehalten. Und genau die Alten fehlen diesem Film völlig: Gesichter voller Weisheit und Lebensklugheit, harter Erfahrungen und tiefen Falten, sie fehlen den Bildern – und den Menschen, obwohl sie zum Teil vorgeben, schon über hundert Jahre alt zu sein.

Am Ende steht Verärgerung: da hat einem ein Film mal wieder eineinhalb Stunden seiner Lebenszeit geklaut. Ich frage mich, wann die Zeit solcher Filme endlich abgelaufen ist.