Verleih

LENI

 

Drehbuch und Regie: Leo Hiemer,
Kamera: Marian Czura,
Spielfilm,
Daniel Zuta Filmproduktion,
86 Min.
PREISGEKRÖNT IN STA. BARBARA, FORT LAUDERDALE, LAON, BELLINZONA, BLUDENZ und SCHWERIN;
Prädikat: Besonders wertvoll.
Mit Hannes Thanheiser, Christa Berndl, Johanna Thanheiser, Franz Buchrieser.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1937: Kurz nach ihrer Geburt kommt Leni zu Pflegeeltern auf einen Einödhof im Allgäu. Die Aibeles, beide nicht mehr jung, sind kinderlos. Die Bäuerin Alwina findet sich bald in die ungewohnte Mutterrolle. Langsam schließt auch der alte Aibele das Kind in sein Herz und spätes Glück kommt ins Haus. Doch der übereifrige Bürgermeister des Dorfes bekommt heraus, dass mit dem Kind 'abstammungsmäßig' etwas nicht stimmt. Leni ist zwar getauft, doch da die Mutter Jüdin ist, gilt sie nach der herrschenden Nazi-Ideologie als nicht 'reinrassig'. Das Unheil ist nicht mehr aufzuhalten. Ausgerechnet am Heiligabend kommt der Gemeindediener mit dem Brief des Bürgermeisters. Die Nazimaschinerie läuft auch im letzten Winkel Deutschlands wie geschmiert. Denunzianten, Mitläufer, Bürokraten, Obrigkeitshörige gibt es überall. Und Priester und Nonnen sind nicht tapferer als andere. Leni "muss fort" heißt der Film im Untertitel, fort - nach Auschwitz. Keiner kann es verhindern, auch nicht der liebevoll bemühte alte Aibele und der aufrechte Dorflehrer.



Pressestimmen:

"Eindrucksvolles Drama" (DER SPIEGEL)

"Die Weiße des Schnees, sie hat nichts von Unschuld und Friedfertigkeit in diesem Film. Es steckt Wirbel im Schneetreiben, Aufruhr, ein Jazz, die Ohnmacht der Empörung." (Süddeutsche Zeitung)

"Der deutsche Regisseur Leo Hiemer trifft den Nerv -- und sein Bild des abschiednehmenden Waisenkindes wird noch lange, nachdem die Lichter wieder angegangen sind, nachwirken." (The Gazette,  Montreal)

"Leni schildert mit klaren, eindrücklichen Bildern eine wahre Begebenheit aus dem Alltag des Nationalsozialismus und er macht damit Strukturen deutlich, wie das System funktionieren konnte. Der Film, vorwiegend aus der Sicht des alten Aibele gedreht, zeigt auch die behutsame Annäherung des Alten an sein Pflegekind, das er anfänglich nur als zusätzliche Belastung in seinem schweren Bauernalltag empfindet." (Hans Strobel, KJK 59/ 94)

"Die verdienstvolle Leistung des Regisseurs und Drehbuchautor Leo Hiemer beruht darauf, sich sensibel und behutsam dieser Geschichte filmisch anzunähern. Verdienstvoll auch, aufzuzeigen, wie selbst in die entlegendsten Winkel einer scheinbar heilen Welt der Terror und Rasenhass der NS-Ideologie Eingang fand.
(aus: FBW Langfilme 1993-1996 besonders wertvoll)

"Leni ist die Geschichte der Fremdenfeindlichkeit am Ende der Welt - aber auch die Geschichte von Solidarität und Liebe.
(KFW Arbeitshilfe)


Hintergrund:

Die Nürnberger Gesetze

Der Tod und die Qualen von Millionen Menschen fußt auf eine Handvoll Seiten Papier die "Nürnberger Gesetze", erlassen beim Nürnberger Parteitag der NSDAP im Jahre 1935.

Der Paragraph, der Lenis Schicksal besiegelte, ist das "Blutschutzgesetz", das "zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" die Eheschließung zwischen Juden und "Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" unter der Androhung von Zuchthausstrafen verbot. Das Kind einer "gemischtrassigen" Beziehung wurde als "Volljude" eingestuft. Ferner wurde beim Nürnberger Parteitag das "Reichsbürgergesetz" beschlossen, dass alle Personen "nicht deutschen oder artverwandten Blutes" von der deutschen Staatsbürgerschaft ausschloss. Das Druckmittel, das Lenis Pflegevater Johann in Bezug auf seinen behinderten Knecht Severin zu spüren bekam, war das "Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des dt. Volkes" (Ehegesundheitsgesetz), das Ehen mit kranken bzw. erbkranken, entmündigten, unter vorläufiger Vormundschaft stehenden und geistesgestörten Personen verbot, sofern nicht Unfruchtbarkeit bestand und de facto die Tötung Behinderter legitimierte. Wer in Nazi-Deutschland heiraten wollte, wurde gezwungen, bei der Eheschließung ein "Ehetauglichkeitszeugnis" des Gesundheitsamtes einzureichen.

Die meisten NSDAP-Delegierten, die damals dem Gesetz zustimmten, konnten nach dem Fall des "Dritten Reiches" unbehelligt weiterleben.